SIE_InProgress

MAI 2016 | Staatstheater Kassel

Lysistrata von Aristophanes am Staatstheater Kassel 1966: Die Frauen von Sparta und Athen besetzen die Akropolis und treten in einen Sexstreik. Ihre Forderung: die Beendigung des zwanzig Jahre währenden Krieges.

 

Für die Inszenierung von Rainer von Dietz adaptierte Niki de Saint Phalle ihre riesenhafte Nana "HON - en katedral" die erstmals im »Moderna Museet« in Stockholm als begehbare Installation zu sehen war, für die Bühne. In Kassel erregte die HON-Adaption einen Skandal und führte sogar zu Protesten gegen die Künstler_innen und das Staatstheater. Wie blicken wir heute auf diese Reaktionen? Wie haben sich unsere Bilder von IHR verändert? Welche Fragen darf man in diesem Kontext heute noch stellen? Welche Fragen sollte man heute eigentlich nicht mehr stellen müssen? Anlässlich des 50-jährigen Geburtstages der Inszenierung setzt sich die Reihe SIE_InProgress mit Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft feministischer Fragestellungen auseinander.

 

EIN PROJEKT VON

Annabelle Leschke & Marie-Christin Rissinger

 

AUSSTATTUNG

Brigitte Schima & Annika Nesheim


#1 Sie_erinnert

24.05.2016 | KAFFEEKRÄNZCHEN | BOOTSHAUS CFRV | KASSEL


Bei Kaffee und Kuchen mit Blick auf die Fulda wurde über Niki de Saint Phalles Bühnenbild für Lysistrata in Kassel und darüber was Feminismus heute kann und soll, debattiert. Vor Ort: Menschen, die die Inszenierung vor 50 Jahre gesehen und sich diese Fragen bereits damals gestellt haben. Aus der Gegenwart heraus wurde ein Raum für ein Stück Vergangenheit geschaffen.

 

 

 

 

 IN KOOPERATION MIT

 

Kuchen Kathrin Geske

Fotos Franziska Wank

Kamera Phillipp Rosendahl



#2 Schubladen denken

27.05.2016 | INTERVENTION | STAATSTHEATER KASSEL | SCHAUSPIELHAUS FOYER

“HON - en katedral” (SIE - eine Kathedrale) von Niki de Saint Phalle, “Moderna Museet” Stockholm (1966):

Die begehbare Skulptur stellte einen überdimensionalen weiblichen Torso dar, dessen Innenleben verschiedene (partizipative) Installationen beherbergte. So gab es beispielsweise eine Milchbar, ein Kino, eine falsche Gemäldegalerie, eine Rutsche und ein Planetarium, von dem aus man das Treiben im Museum beobachten konnte. Am Ende der dreimonatigen Ausstellung wurde die HON zerstört. Als politischer Akt gegen herrschende Denkstrukturen ging die HON - und mit ihr Niki de Saint Phalle als Vorreiterin der neuen Weiblichkeit in die Geschichte ein. 

 

In #2 SCHUBLADEN DENKEN fließen verschiedenste Denkansätze und künstlerische Ausdrucksformen in der heutigen Beschäftigung mit dem Innenleben von Niki de Saint Phalles HON zusammen. Während die HON in Stockholm durch die Vagina betretbar war, entwickelt Brigitte Schima für den Eingang zu SCHUBLADEN DENKEN ein Gehirn, das in seiner Doppelfunktion als hormon- und sozialisationsverabeitendes Hauptorgan Geschlechtsidentitäten generiert und unser (Er-)Leben ermöglicht. So kritisiert auch Johanna Brummack in “amanisamanisaman” die Unzulänglichkeiten des Konzepts der Zweigeschlechtlichkeit und erforscht, wer oder was unsere Identitäten bestimmt. Ipek Burçak erzählt in „common blue“ von unterschiedlichen Identitäten, gefangen zwischen Realität und Fantasie. In der Installation “the marble” beschäftigt sich Frauke Rohnenkohl damit, wie Vorgänge im Denken und Handeln biologische Prozesse verändern können. Die Videoarbeit “Milk” von Sevda Güler und Monika Kostrzewa spürt dem schmalen Grad zwischen Schönheit und Widerlichkeit nach. 

Inspiriert von Aristophanes’ Lysistrata fragt Franziska Wang in “Wir Frau´n sind männertoll!”, welche feministischen Ansätze von damals heute noch in unserer Gesellschaft vorhanden sind. In einer Performance von Annika Nesheim können die Besucher_innen das Serum der Fitness kosten und den Jungbrunnen der Gesundheit, Schönheit und Fruchtbarkeit entdecken. Marie-Christin Rissinger interpretiert in ihrer 1:1- Performance “Lie to me” die “Bank der Liebenden” hinsichtlich der Frage, wie sich sexuelle Wünsche, Phantasien & Praktiken zu Bildern und Vorstellungen von Geschlechtlichkeit im realen Leben verhalten. Um die Kritik am Bild des weiblichen Körpers in der kapitalistischen Gesellschaft und an herrschenden Ideologien und Strukturen geht es in dem Text “Fleischmarkt” von Laurie Penny, der von Sabrina Ceesay gelesen wurde.


IN KOOPERATION MIT

 

Künstlerinnen 

Johanna Brummack, Ipek Burak, Monika Kostrzewa, Seveda Güler, Frauke Rohnenkohl & Franziska Wank   

 

Technische Betreuung  

Stephan Ecklebe, Glenn Townsend & Andreas Löbermann

 

Fotos

Johannes Schröder

 

Video

Jolanda Obleser

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PROGRAMMHEFT
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#3 Bechdel kassel

28.05.2016 | DISSKUSION | SCHAUSPIELHAUS KASSEL | ORCHESTERPROBESAAL

Der Bechdel Test ist eine Methode, die herangezogen wird, um Stereotypisierungen von weiblichen Figuren in Spielfilmen zu beurteilen.

Die Regeln dieses Tests sind erstaunlich einfach:

 

1. Gibt es zwei oder mehr Frauenrollen?

2. Sprechen diese miteinander?

3. Unterhalten sie sich über etwas anderes als Männer?

 

In BECHDEL KASSEL diskutierten Anja Bihlmaier, Ulrike Schneider & Svenja Schröder über Produktionsbedingungen im feien und im institutionalisierten Theater. 

"An einem Theaterhaus zu arbeiten ist schon ein großes Geschenk, weil es sehr luxuriös ist. In jeder Abteilung sind echt absolute Profis am Werk und alle haben diesen Beruf ergriffen, weil sie es irgendwie lieben, weil sie dafür brennen & weil sie Visionen hatten - irgendwann mal."

 

Zitat aus der Diskussion



VIELEN DANK AN

 

Djane Isalsa, Migratory Nights Djanes, Adahan Aksoy, Louis Hendzler, Thomas Hof, 

Anna-Theresa Stoß, Hannah Weißborn, Guiliana Brede, Tassilo Gregor & alle Abteilungen des Staatstheaters Kassel